Studien-Report Lissabon 2017 der Deutschlandstipendiatin Katharina Eifler

Im September 2017 habe ich ein Auslands-Studienjahr im Rahmen des ERASMUS+-Programms in Lissabon begonnen. Die Evonik Stiftung unterstützt mich dabei seit Oktober 2017 im Rahmen des Deutschlandstipendiums für den Zeitraum eines Jahres. In diesem Bericht möchte ich kurz erzählen, wie mein Leben und Studium in Portugal aussehen, wie ich mich weiterhin an dem ehrenamtlichen Projekt ROCK YOUR LIFE! in Bochum engagiere und wie mir das Deutschlandstipendium dabei hilft.

Im Herbst 2013 zog ich von Köln nach Bochum, um mein Biologie-Studium an der Ruhr-Universität zu beginnen. Noch ohne große Pläne für die Zukunft habe ich nach einer für mich passenden Fachrichtung gesucht. Über einen unserer Kurse gelangte ich an den Lehrstuhl der Tierphysiologie, in dem ich anschließend meine Bachelorarbeit im Bereich der Migräneforschung, also im Feld der Neurobiologie, geschrieben habe. Die Zeit am Lehrstuhl hat mein Interesse an dieser Fachrichtung weiter verstärkt und mich darin bestärkt, meinen Master mit dem Schwerpunkt der Neurobiologie zu bestreiten. Nach einem Semester Auszeit habe ich im April 2017 den Master begonnen. Neben einem Wahlmodul, welches ich in der Stammzellforschung eines Krankenhauses absolvieren durfte, habe ich während eines freiwilligen Praktikums Einblicke in die Entwicklung klinischer Studien eines Pharma-unternehmens gewinnen können.

Bereits zu Beginn meines Master-Studiums beschloss ich, zwei Semester im Ausland zu studieren. Unter anderem interessierte es mich, wie das Studium an einer anderen Universität, in einem anderen Land aussehen kann. Mitte August ging die Reise nach Portugal los; viele Erwartungen und Hoffnungen im Gepäck. Lissabon hat mich mit offenen Armen aufgenommen. Ich hatte Glück mit der Wohnung, und lebe zentral mit einer brasilianischen Studentin zusammen. Gemeinsam mit anderen ERASMUS-Studenten entdeckten wir die Stadt, die touristischen Ecken aber auch die ruhigeren, echten Lissabonner Viertel.

In der Universität belege ich in diesem Semester die Kurse Neurobiologie, Entwicklungsbiologie und Molekulare Diagnostik. Die Inhalte der Kurse sind interessant und passen gut zu meinem Studium in Deutschland. Die Vorlesungen werden für die internationalen Studenten auf Englisch gehalten. Im Vergleich der Universitäten vermisse ich vor allem die selbständige Arbeit, die in der Ruhr-Universität Bochum sehr groß geschrieben wird. Meine Erfahrungen im Labor bieten mir in Lissabon Vorsprünge gegenüber den anderen Studenten, die im Bachelor in der Regel kein größeres Projekt wie z.B. eine Bachelorarbeit geschrieben haben. Sie sind an ein stärker verschultes System mit einem großen theoretischen Anteil gewöhnt.

Wie meine Kommilitonen sprechen die Portugiesen allgemein beeindruckend gutes Englisch, nur selten hatten wir Probleme, uns zu verständigen. Trotzdem habe ich viel Spaß daran, Portugiesisch zu erlernen und besuche dafür zweimal in der Woche einen Portugiesisch-Kurs. Es ist die erste romanische Sprache, die ich erlerne, und der tägliche Kontakt zu Portugiesen bringt die entsprechende Motivation, schnell besser zu werden.

Vor etwa einem Jahr bin ich in Bochum in ein ehrenamtliches Projekt eingestiegen, welches mittlerweile ein wichtiger Teil meines alltäglichen Lebens geworden ist. Der ehrenamtliche Verein ROCK YOUR LIFE! Bochum e. V. hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Bildungsperspektiven für Bochumer Schüler und Schülerinnen aus sozial, wirtschaftlich oder familiär benachteiligten Verhältnissen zu verbessern. Dafür bauen wir Mentoring-Beziehungen zwischen Studierenden und Schülern der neunten Klasse verschiedener Haupt- und Gesamtschulen auf. Die Studenten begleiten ihre Mentees in den letzten zwei Schuljahren und setzen sich dabei gemeinsam mit ihnen mit der Zukunft auseinander, sprechen über Berufsziele und darüber, wie diese zu erreichen sind. Begleitet werden sie dabei durch professionelle vom Verein organisierte Trainings.  Die Trainer dafür werden von der ROCK YOUR LIFE! gGmbH München ausgebildet, welche den Kopf der über 50 ROCK YOUR LIFE!-Standorte in Deutschland bildet. Begonnen hat meine Arbeit im Verein mit der Mentoring-Beziehung zu einer jungen Hauptschülerin. Etwas später bin ich dann als Vorsitzende in die Organisation eingestiegen. Weiterhin bin ich auch aus dem Ausland im Verein tätig – wenn auch ortsbedingt nur noch im administrativen Bereich. Nach mehreren Veränderungen in der Besetzung hat sich der Vereins-Vorsitz wieder zusammengefunden und arbeitet jetzt motiviert und organisiert an der Durchsetzung seiner Ziele. Aktuell sind neun neue Mentoring-Paare in ihre Beziehungen gestartet und zwei neue Studierende in das Organisations-Team eingestiegen.

Ich blicke nun entspannt und erwartungsvoll auf die kommende Zeit in Lissabon. Ich möchte weiterhin Portugiesisch lernen und mindestens das Niveau B1 erreichen. Vielleicht finde ich sogar ein spannendes Praktikum an einem der biologischen Institute in Lissabon, sodass ich zusätzlich zur Uni einen Einblick in die aktuelle Forschung gewinnen kann.

Dank des Deutschlandstipendiums muss ich mir keine Gedanken um jegliche Nebenkosten, wie Metroticket, Bücherkosten oder Auslandskrankenversicherung machen. Das Stipendium ermöglicht mir zudem, meine freie Zeit für Ausflüge anstelle für einen Nebenjob zu nutzen und gibt mir eine Sicherheit, die besonders in einem fremden Land eine großartige Unterstützung ist.

Katharina Eifler, Dezember 2017

 

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