Interview mit Victoria Gänz, Deutschlandstipendiatin

Die „Köpfe“ hinter den Deutschlandstipendien
Interview mit Victoria Gänz, Nahe-Weinprinzessin 2014/15

Sie wurde in Bad Kreuznach geboren, ist im Weindorf Guldental auf dem elterlichen Weingut aufgewachsen und hat ihre Heimat als Weinmajestät repräsentiert. Sie ist blond und hat ein strahlendes Lächeln. Gemeint ist nicht die frühere Naheweinkönigin und Politikerin Julia Klöckner, sondern die ehemalige Weinprinzessin und Studentin Victoria Gänz, eine von knapp 200 Deutschlandstipendiaten der Evonik Stiftung.

Frau Gänz: Was mögen Sie lieber, Weißwein oder Rotwein?

Das kommt ganz auf die Situation an. Die Grillsaison ist ja gestartet und da trinke ich gerne mal einen Grauburgunder oder Spätburgunder zum Steak. Oder ein Glas Rosé abends auf der Terrasse – ich kann mich gar nicht entscheiden.

Wie wird man zur Weinprinzessin gekürt?

Im Weinanbaugebiet Nahe muss man sich im ersten Schritt bei der Gebietsweinwerbung um das Amt bewerben. Hier ist natürlich eine besondere Affinität zu Wein Voraussetzung. Wenn man in die engere Auswahl kommt, tritt man bei einer großen Wahlgala im Kurhaus Bad Kreuznach an, die jedes Jahr im November stattfindet. Dort muss man sein Weinwissen unter Beweis stellen, Fachfragen beantworten, Rebsorten erschmecken – und wird am Ende des Abends feierlich gekrönt.

Ein typischer Tag im Leben einer Weinprinzessin – wie sieht der aus?

Meistens sehr lange aber immer spannend! Mir haben natürlich immer die Termine Spaß gemacht, bei denen man ein bisschen durch Deutschland touren musste. Da konnte ich zwei meiner Lieblingsbeschäftigungen – Wein und Reisen – miteinander verbinden. Ich war zum Beispiel auf der Weinmesse in der Jahrhunderthalle in Bochum oder dem Weinfest im Botanischen Garten in Berlin. Dort habe ich dann zunächst die Veranstaltung eröffnet und im Anschluss stand ich als Weinfachfrau für jegliche Fragen rund um die Nahe und ihre Weine bereit. Dabei lernt man natürlich viele tolle Menschen kennen, die Wein für sich entdeckt haben. Die Zeit auf den Veranstaltungen verging immer wie im Flug und jedes Mal lernt man wieder neue Dinge kennen!

Nennen Sie uns bitte das außergewöhnlichste Erlebnis während Ihrer einjährigen Regentschaft?

Es gab natürlich viele außergewöhnliche Erlebnisse während meines Amtsjahrs, aber eine Weinprobe ist mir besonders in Erinnerung geblieben. Sie fand mit 60 chinesischen Unternehmern in unserem Weingut statt – und vor lauter Selfies vor allen möglichen Hintergründen hätte ich fast vergessen, den zweiten Rotwein auszuschenken. Das war wirklich ein lustiger Tag!

Sie studieren an der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz Englisch und Geographie. Warum nicht Weinbau in Geisenheim, so wie Ihr Vater?

Obwohl mich sehr viele Seiten am Weinbau faszinieren, wollte ich doch einen anderen Weg einschlagen. Da mein Bruder sich aber dazu entschlossen hat, unser Weingut zu übernehmen und nun schon im 3. Semester in Geisenheim Weinbau studiert, ist schon eine perfekte Nachfolge für meinen Vater gefunden! Außerdem sind wir ein Familienweingut – auch wenn ich nicht in der Branche bleibe, werde ich auch in Zukunft immer tatkräftig mithelfen.

Vergleichen Sie bitte einmal die Wahl zur Weinprinzessin mit Ihrer Bewerbung um ein Deutschlandstipendium. Was hat Ihnen mehr Spaß gemacht?

In beiden Situationen war ich natürlich erst einmal ziemlich gespannt auf die Entscheidung. Und dann war die Freude sowohl bei der Wahl zur Naheweinprinzessin als auch bei meiner Aufnahme in das Stipendienprogramm riesig! Spaß gemacht hat beides.

Wie hilft Ihnen Ihr Stipendium?

Das Stipendium gibt mir definitiv mehr Freiheit, meinen Studieninteressen zu folgen. Gerade in diesem Jahr habe ich es perfekt für mein Geographie-Studium nutzen können, da eine große Exkursion nach Mittelamerika anstand. Solche Erfahrungen sind einzigartig und sehr wertvoll und ich freue mich, dass mir in dieser Hinsicht das Deutschlandstipendium weiterhilft.

Was möchten Sie nach dem Studium gern einmal machen?

Da ich mit meinem Studium sehr breit aufgestellt bin, habe ich verschiedene Ideen und Pläne, wie es im nächsten Jahr weitergehen könnte – ich bin gespannt was auf mich zukommt!

Seit April 2015 leiten Sie den Kulturkurs „Wein“ an Ihrer Universität. Beschreiben Sie bitte einmal kurz Inhalt und Ziel dieses Angebotes?

Neben den „normalen“ Seminaren, die man während des Semesters in seinem Studiengang belegt, hat der Verein Campus Mainz e.V. das Kulturkursprogramm ins Leben gerufen, im Rahmen dessen man sich in seiner Freizeit noch mit Dingen beschäftigen kann, die einen schon immer interessiert haben. Wein ist da bei Studenten ganz vorne mit dabei – viele Studenten möchten gerne mehr darüber erfahren, besonders die, die erst nach Mainz und damit in eine Weinregion gezogen sind. In meinem Kurs habe ich dann quasi die Wein-„Basics“ thematisiert, beispielsweise wo und wie Wein wächst, welche Rebsorten es gibt – und natürlich kam auch die Sensorik nie zu kurz.

Warum engagieren Sie sich ehrenamtlich, was motiviert Sie?

Ich finde es wichtig, sich in einer Gemeinschaft einzubringen und gemeinsam Ziele zu erreichen. Und wenn man selbst sich mit etwas identifizieren kann, ist es umso einfacher, auch andere Menschen dafür zu begeistern.

In einem früheren Interview sagten Sie einmal, dass Sie der deutschen Nationalmannschaft gerne einen Nahewein überreichen möchten. Hat sich Ihr Wunsch erfüllt?

Ich warte immer noch auf eine Einladung von Jogi Löw – vielleicht kommt sie ja diesen Sommer zur EM. Es gibt eine Rebsorte namens „Siegerrebe“ – nicht sehr verbreitet – das wäre vielleicht ein passender Aperitif für die Nationalspieler vor dem großen Turnier.

Frau Gänz, wir danken Ihnen für das Gespräch!

Mit knapp 200 Stipendien zählt die Evonik Stiftung zu den größten Förderern des Deutschlandstipendiums. Sie ist einer von rund 6.700 privaten Mittelgebern, die gemeinsam mit dem Bund begabte junge Menschen während des Studiums finanziell unterstützen. Das seit 2011 vergebene Deutschlandstipendium hat sich zu einer Erfolgsgeschichte entwickelt. Die Förderung beläuft sich auf monatlich 300 Euro, die je zur Hälfte durch den Bund durch private Mittelgeber finanziert werden. Viele Förderer wie die Evonik Stiftung unterstützen die Stipendiaten auch ideell – mit Praktika und regelmäßigen Treffen.

Macht auch ohne Krönchen eine gute Figur: Victoria Gänz bei der Weinlese

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