Gordon Research Seminar & Conference

Nach 10-stündigem Flug erfolgt unter stetiger Vorfreude auf die Konferenz die Ankunft in Boston, USA. Der Aufenthalt in der Heimatstadt namhafter Universitäten ist jedoch nur von kurzer Dauer, denn die eigentliche Konferenz findet in dem etwas abgelegenen Skiresort Mount Snow in West Dover, Vermont, statt. Zu dieser Jahreszeit liegt hier jedoch kein Schnee, stattdessen versammeln sich im Grand Summit Resort Hotel Wissenschaftler aus aller Welt, um über die neuesten Entwicklungen auf dem Gebiet der Nanomedizin zu diskutieren.

Nanomedizin umfasst neben vielen weiteren Einsatzmöglichkeiten neuartige Strategien für den Wirkstofftransport, Bildgebungstechniken in unterschiedlichen Gewebearten wie auch frühzeitige Diagnose und Behandlungsmethoden speziell auf dem Gebiet der Krebstherapie – und dies alles, wie der Name bereits erahnen lässt, mit Systemen im Größenbereich von 1 – 100(0) nm. Dass sich eine Gordon Konferenz durchaus von anderen wissenschaftlichen Konferenzen abhebt, wird bereits während der Anreise mit dem Bus von Boston nach Mount Snow deutlich. Aufgrund des bunt gemischten Teilnehmerfeldes bietet sich für Nachwuchswissenschaftler bereits zu jenem frühen Zeitpunkt die Möglichkeit, sich unbeschwert mit gestandenen Wissenschaftlern auf dem Gebiet der Krebstherapie auszutauschen oder aber auch einfach über die besten einheimischen Biersorten zu philosophieren. Seit ihrer ersten Tagung im Jahr 1931 ist es der Gordon Konferenz ein großes Anliegen, Wissenschaftler in entspannter, oftmals auch geographisch isolierter Atmosphäre zum Austausch anzuregen, um dadurch neue Wege in den biologischen, chemischen und physikalischen Wissenschaften erarbeiten zu können. Dass das Konzept großen Anklang findet, ist schon allein daran zu erkennen, dass mittlerweile um die 200 Gordon Konferenzen mit unterschiedlichstem wissenschaftlichen Schwerpunkt pro Jahr abgehalten werden. Neben Teilnehmern aus der Akademie sind ebenfalls Mitglieder aus pharmazeutischen Unternehmen wie auch der FDA (U.S. Food and Drug Administration) vertreten. Dadurch erhält man Einblicke in den langen, mit Hürden besetzten Weg neuartiger Technologien von der ersten Skizze auf dem Papier über die Synthese im Labor bis hin zum finalen Einsatz in der Klinik.

Vor der Konferenz findet ein zweitägiges Gordon Research Seminar statt. Thema ist ebenfalls Nanomedizin in der Krebsforschung – jedoch handelt es sich hierbei um ein von Studenten geführtes Seminar. Dadurch ist es den Nachwuchswissenschaftlern möglich, sich bereits vor der eigentlichen Konferenz kennenzulernen und sich über ihre jeweiligen Forschungsinteressen auszutauschen. Die von den Doktoranden und Postdoktoranden gehaltenen Vorträge sind dabei keinesfalls von minderer Qualität. Dies zeigt sich unter anderem dadurch, dass selbst in diesen ersten Vorträgen hochrangige Professoren, wie beispielsweise Prof. Dr. Chad A. Mirkin, im Publikum sitzen. Nach den Vorträgen kann man an den Posterständen mit den Präsentierenden auch speziellere Fragestellungen erläutern und von den Erfahrungen der Kollegen profitieren. Ich bin sehr dankbar dafür, meine eigenen Forschungsergebnisse mit zwei Postern vorstellen zu dürfen. Insgesamt herrscht eine sehr offene Gesprächsatmosphäre, sodass – wie für Gordon Konferenzen üblich – viele noch unveröffentlichte Ergebnisse gezeigt und diskutiert werden. Dadurch erhält man einen guten Überblick über aktuelle Entwicklungen auf dem Gebiet der Nanomedizin. Ich persönlich habe dadurch auch viele neue Ideen und Anregungen für meine Doktorarbeit sammeln können.

Die offene Atmosphäre bleibt bei der im Anschluss vom Gordon Seminar gehaltenen Konferenz die ganze Zeit über bestehen. Jeden Tag werden zwei verschiedene Forschungsschwerpunkte mit jeweils zwei bis drei Vorträgen besprochen. Dies gestaltet die Konferenz sehr abwechslungsreich und durchweg interessant. Abwechslungsreich sind auch die Freizeitaktivitäten, welche in der täglich dreistündigen Pause genutzt werden können. Vom entspannten Wandern in den Bergen über Golfen bis hin zum Kayaking – es ist für alle Geschmäcker etwas geboten.

Während besagter Ausflüge kann man jedoch nicht nur gut abschalten, sondern auch neue Kontakte knüpfen und mögliche Kooperationen diskutieren. Nach täglich 12 Stunden Konferenz bedarf es natürlich auch einer ausreichenden Energieaufnahme. Ich will bei diesem Punkt nicht allzu sehr ins Detail gehen, aber das Abschlussdinner bei Hummer und Ofenkartoffeln war durchaus ein gelungener Abschluss.

Insgesamt kehre ich mit einem sehr positiven Gefühl aus den USA zurück. Neben neuen Einblicken in aktuelle Forschungsbereiche konnte ich auch Kontakte für künftige Kooperationen knüpfen und Ideen sammeln. Ich bedanke mich ganz herzlich bei der Evonik Stiftung für die finanzielle Unterstützung!

 

Reisebericht von Michael Lübtow

Download des vollständigen Berichts (pdf)

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