Bericht über die Konferenz „Poudres et Matériaux Frittés 2017“ in Toulouse, 3-5 Mai 2017

Im Herbst 2016 war ich am östlichen Ende Ungarns für eine Konferenz über Materialwissenschaften. Beim Abendessen unterhielt ich mich mit einer kleinen Gruppe französischer Physiker, etwas enttäuscht über das allgemeine Niveau mancher Vorträge, und ließ mir erzählen, was für andere Konferenzen sie besucht hatten. So empfohlen sie mir die zweijährlich stattfindende PMF-Konferenz (Pulver und gesinterte Materialien), die dieses Jahr in Toulouse stattfindet.

An sich klingt es nach einer guten Idee, aber so einfach ist es nicht. Wenn die Sprache der Wissenschaft inzwischen weltweit Englisch ist, gilt das selbstverständlich nicht in Frankreich. Meine Französisch-Kenntnisse stammen aus dem Sprachunterricht in der Grundschule und wurden in den letzten 15 Jahren nur sehr sporadisch durch Bücher, Fernseher, Urlaub und kurze Sprachkurse aufgefrischt. Andererseits klang diese Konferenz vom Thema her interessant und war ein guter Ansporn, wieder ein bisschen zu lernen. So fing ich Ende Januar mit einer intensiven Französisch-Auffrischung an. Mehrere Stunden am Tag, beim Frühstück Radio France International gehört, in der Mittagspause Nachrichten auf Le Monde gelesen, beim Arbeiten im Labor sowie bei Bahnfahrten die Podcasts von podcastscience.fm gehört, abends ein paar Seiten von einem Buch von Daniel Pennac gelesen. Gerade die Podcasts sind sehr interessant, da Sprache und Wissenschaft zusammen kommen. So habe ich über alles etwas gehört, von der Raketentechnik bis zur Bienenzucht, von der Phonetik bis zur Spieltheorie. Seit Anfang des Semesters habe ich mich an der Uni zu einem Sprachkurs angemeldet, um in den letzten Wochen intensiver zu üben.

Nun zur Konferenz in Toulouse. Der äußere Eindruck darf nicht täuschen. Schlechte und kaum aktualisierte Internetseite, Ort der Konferenz kaum zu finden, E-Mails an alle Teilnehmer mit sichtbaren E-Mail-Adressen (dem Datenschutz zugute). Ein Gebäude, was selbst hinter den Bäumen und mit einem Bilderbuchhimmel im Hintergrund seine Hässlichkeit nicht verstecken kann und zuletzt ein Hörsaal, der trotz der feierlichen französischen Bezeichnung Amphithéatre klein, kalt, ungemütlich und mit einem zu kleinen Beamer ausgestattet ist.

Doch war die Konferenz, klein aber fein, richtig gut. Schon am ersten Tag war ich sehr glücklich mit der Qualität der Vorträge. Alles war klein und simpel. Ein Hörsaal, eine einzige Vortragsreihe von 20-minutigen Vorträgen und drei etwas längere eingeladene Vorträge. Alles ohne unnötige Umrahmung. Höchstens zehn Minuten lang und nur über wichtige organisatorische Angelegenheiten der Eröffnungsrede, keine minutenlange Begrüßung irgendwelcher wichtigeren Persönlichkeiten oder von irgendwelchem Herr Professor Doktor zum Anfang der Vorträge. Keine elegante Kleidung, alle duzen sich unabhängig vom Altersunterschied und vom akademischen Titel. Auch die Fragerunde war, anders als bei deutschen Physikvorträgen gewohnt, kurz und knapp. Die Fragenden bedankten sich nicht für den Vortrag und erzählten nicht, wer sie waren und woran sie forschten: Sie stellten einfach eine Frage. Alleine wegen dieses angenehmen Stils würde ich jedem diese Konferenz weiterempfehlen, solange die Französisch-Kenntnisse ausreichend sind.

Die Vorträge waren ausnahmslos ziemlich gut. Es gab wenige hervorragende, aber vor allem keine schlechten Vorträge. Bloß wenn Fragen auf Englisch beantwortet werden mussten, wurde es schwierig. Da gerieten viele der französischen Vortragenden in peinliches Stottern. Beim Abendessen erklärten manche, dass die mangelhaften Englischkenntnisse in Frankreich wohl daran liegen, dass Französisch eine so schöne Sprache sei. Das Thema der Vorträge war, wie erwartet, sehr spezifisch und auch deswegen für mich sehr interessant. Man kann bei einem kurzem Bericht schwer ins Detail gehen, aber ich werde hier eine kleine Liste an Highlights in meiner Sicht, sei es weil besonders interessant oder weil besonders passend zu meiner Forschung.

Von Valerio Oddone, Freie Universität Berlin.

Download des vollständigen Berichts (pdf)

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